Geschichten und Meer


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Bissige Hunde

„Lass die nicht merken, dass Du Angst vor ihnen hast, sonst tanzen sie Dir auf der Nase herum.“ sage ich, gestählt von den vielen Mobbingattacken meines Berufslebens. Sie muss lachen über die Formulierung, aber sie hat immer noch Tränen in den Augen. Die Kollegin ist älter als ich, arbeitet ebenfalls Vollzeit, und pflegt daneben ihren schwerkranken Lebensgefährten. Sie ist angreifbar, weil die pure Erschöpfung sie Fehler machen und Dinge versäumen lässt.

Und ich erschrecke, weil ich in Gedanken Kolleg_innen und Vorgesetzte mit einer bissigen Meute vergleiche, und mir plötzlich vorstellen kann, wie ganz normale Leute  Nazis werden, sich an Hexenverfolgung und Steinigungen beteiligen.

Die Meute verbeißt sich gern in dem, der gleichzeitig schwach und eine Bedrohung zu sein scheint, möglicherweise, um sich ihrer selbst zu vergewissern. Hierzu auch die Dame von Welt.

 

 


Ein Kommentar

Freitag

Als ich heute das Büro verließ, zuckte ein Gedanke – schief wie ein verkrüppelter Blitz – durch mein definitiv überhitztes Hirn: wenn ich bis Montag einen netten Millionär finde, brauche ich nie wieder hierher zu kommen.

Dann fiel mir ein, dass ich den Nachmittag damit verbracht hatte, einem solchen unrealistische Wünsche auszureden, was übrigens ein nicht unbeträchtlicher Teil meiner täglichen Arbeit ist, und ich dachte mir: nee, Trippmadam, so was willst Du nicht in der Wohnung haben!


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Kostenfaktor

Das Team „Geldausgeben und Dingsda“ hat mich heute informiert, dass ich auch nach dem 01. September noch einen Arbeitsplatz haben werde und dass dieser sich weder in Passau noch in Rosenheim befindet, wobei Passau ja recht nett sein soll. Das finde ich sehr freundlich vom Team „Geldausgeben und Dingsda“, denn mein Vermieter will immer  die Miete regelmäßig auf seinem Konto eingehen sehen, und ich selbst würde ab und zu gerne einmal etwas essen.  (Wie Sie wissen, bin ich ja leider sehr gefräßig.)

Nur hätte ich es netter gefunden, wenn die Personalabteilung oder meine Vorgesetzten mir diese frohe Botschaft überbracht hätten. Aber so weiß ich wenigstens, wie mein Arbeitgeber mich sieht: als reinen Kostenfaktor, denn da ich nicht „Dingsda“ bin, muss ich „Geldausgeben“ sein, und Geldausgeben kostet bekanntlich etwas. Es sind die kleinen Dinge, mit denen man Menschen, ach nein, Mitarbeiter, ach nein, wieder falsch MAKs vor den Kopf stößt. Wissen Sie, ich komme aus Nordhessen: unsereine kann man dreißig Jahre lang ärgern, bis wir explodieren. Dann allerdings richtig. Ich bin nun erst 15 Jahre im Unternehmen, aber das eigentlich für die besagten dreißig Jahre berechnete Maß ist nahezu voll.

So ist das – und keine Aussicht auf Besserung.

(Ich könnte Ihnen noch eine andere Geschichte erzählen, aber damit würde ich mich erkennbar machen. Ich bedauere es sehr, dass ich sie Ihnen vorenthalten muss.)