Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

Was Kuchengabeln mit Feminismus zu tun haben

Ein Kommentar

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Der geschätzte, wenn auch etwas entfernte Blognachbar hat Kuchengabeln. Meine Großtanten, und zwar nicht die Ehefrauen der hier schon häufiger erwähnten Großonkel, sondern die anderen, die ohne Ehemänner, hatten auch welche. Keine ererbten, ach nein, woher denn? Die meisten meiner vor 1920 geborenen Großtanten, haben sich ein Studium ertrotzt und nie geheiratet. Talent zum Reichwerden hat in der näheren Verwandtschaft noch nie jemand gezeigt. Talent zum Heiraten ist auch nicht gerade eine Kernkompetenz meiner Familie, auch wenn die vielen Tanten ja irgendwo herkommen müssen. Es ist bei unsereinem vor der Erfindung zuverlässiger Verhütungsmittel so gewesen, dass von, sagen wir, sieben Schwestern vielleicht zwei Kinder bekommen haben (aber die dann richtig viele) und der Rest sich auf die Rolle der unverheirateten Tante verlegte. Die Frauen meiner Familie legen seit Generationen mehr Wert auf ihre Unabhängigkeit und die dazu notwendige Ausbildung als auf einen ordentlichen Hausstand mit Mann und Kind. Eine der Großtanten wurde Volkswirtin,  die anderen Lehrerinnen. Meine Tanten machten, einmal erwachsen und unabhängig,  keine Gefangenen und  nahmen keine Geschenke. Jeden Silberlöffel, jeden Stuhl und jeden Kissenbezug haben sie eigenhändig ausgewählt und  von ihrem eigenen Geld bezahlt. Sie blieben nicht gerne etwas schuldig.

Die Kuchengabeln des Herrn Nachbarn haben mich an eine Frauengeneration erinnert, die sich Unabhängigkeit und Selbstständigkeit erkämpfen musste auf eine Art, die wir uns heute hier in Europa kaum noch vorstellen können. Frühe Feministinnen, wenn nicht in Worten, so doch in Taten.

(Foto: von der anderen Patentante, dem Fräulein Doktor der Volkswirtschaft, geerbte Kaffeelöffel mit ihrem Monogramm. Ich schwöre, in natura sehen sie nicht so ungeputzt aus.) 

 

Autor: Geschichten und Meer

Kontakt: geschichtenundmeer@t-online.de

Ein Kommentar zu “Was Kuchengabeln mit Feminismus zu tun haben

  1. Solches Besteck würde ich auch in Ehren halten. Das ist eine gute Erinnerung.

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Kommentare

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