Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

Der Goldene

Ein Kommentar

Während es andernorts stürmt und man sich vor Wind und Wasser schützen muss, leuchten hier die steilen Ufer, von der Herbstsonne vergoldet. Der alte Fluss ist ruhig und ruft den Himmel, damit der seine blaue Schönheit spiegele. Die Weinlese ist im Gange im Freistaat Flaschenhals, und deshalb sind auch die Straußwirtschaften noch geöffnet, wo der letztjährige Wein erst im Glas und dann auf der Zunge tanzt. Vielleicht ist es auch der aus dem Jahr davor oder ein noch älterer. Sehr viel älter sind  einige Gäste, beinahe alt genug, um als Kleinkinder den Freistaat noch erlebt zu haben. Im Flur hängt das Portrait einer Weinkönigin, die der Bertel in Zuckmayers Fastnachtsbeichte zu ähneln scheint.

Wenige Kilometer weiter glänzen zwei ganz andere Arten von Gold: das Gold, welches  man an Hals und Handgelenken trägt, und das aus den Gruben, die der Tourismus gefüllt hat. Letztere beginnen schon, sich zu leeren. In zwanzig Jahren, vielleicht schon in zehn, werden hier nur noch der Wein und der Oktober golden leuchten.

 

Autor: Geschichten und Meer

Kontakt: geschichtenundmeer@t-online.de

Ein Kommentar zu “Der Goldene

  1. Ah, Sie waren im Rheingau und kennen den Freistaat Flaschenhals.

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Kommentare

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