Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

Die Soraya

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Wie es scheint, liegt da doch noch einiges im Blogkeller, was an die Luft muss. 

Die Soraya nämlich wohnt in der Vorstadt. Da ist sie geboren, da hat sie ihr Leben verbracht, da will sie einmal begraben sein. Jung ist sie nicht mehr, die Soraya, aber immer noch schön. „Rassig“ sagte man, als die Soraya noch ganz jung war, denn die Soraya hat schwarze Haare und Augen wie aus tausendundeiner Nacht. Perser soll ihr Vater gewesen sein, zumindest glaubt das die Mutter von der Soraya. Genau weiß sie es aber nicht, denn der Perser (oder Araber oder Grieche) verschwand, noch bevor die Soraya geboren wurde, und eine Nachsendeadresse hinterließ er nicht, weder in Deutschland noch in Persien (oder Saudi-Arabien oder irgendwo sonst). Die Kathi, also die Mutter von der Soraya, war siebzehn, als sie sich zum ersten Mal wirklich echt verliebte, in Parvis oder Paris oder Baris, oder wie auch immer er im Pass heißen mochte. Gesehen hat sie den Pass nie, und auch die Villa im dem fernen Land, Ägypten oder Iran oder Türkei, von der der Paris oder Baris oder Parvis immer sprach, hat sie nie gesehen. Statt dessen war sie schwanger, nicht einmal zwanzig und ohne Schulabschluss. Damals  glaubte sie noch, dass der Vater von der Soraya, wenn er seine Angelegenheiten geregelt hätte, zurückkäme, um sie zu heiraten. Und weil sie das immer noch hoffte, als man sie in den Kreißsaal brachte, gab sie ihrer Tochter den einzigen irgendwie orientalischen Namen, den sie kannte: Soraya.

Die Soraya war gescheit, und als sie ihren Schulabschluss hatte, fing sie eine Ausbildung zur Krankenschwester an, was das Richtige zu sein schien für so ein intelligentes und fleißiges Mädchen.  Wie ihre Mutter, die Kathi, hat sie viel geliebt, aber nie geheiratet. Anders als die Kathi hat sie jedoch schon in sehr jungen Jahren gewusst, dass man nicht auf persische Villen spekulieren soll, sondern sich nur auf die eigenen Hände und den eigenen Kopf verlassen kann, will man bestehen  in der Welt. Das hat die Soraya auch getan, und so ist sie heute unabhängig und kann die Kathi unterstützen, die nie gelernt hat, für sich zu sorgen.

(Ich habe mir hier einen Namen und einen Beruf ausgeliehen und eine Geschichte darum gestrickt. In Wirklichkeit ist natürlich alles ganz anders gewesen.)

 

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