Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

Don’t #sayhername

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#sayhername ist ein Twitter-Hashtag, der an schwarze Frauen, die Opfer von Polizeigewalt wurden, erinnern soll. Christina Hiltbrunner, Stadträtin und Mitglied der EVP aus der Schweiz, benutzte diesen Hashtag, um an Heather Heyer zu erinnern, die getötet wurde, als sie an einer Demonstration gegen Nazis teilnahm. Hier ein Tweet und Reaktionen darauf:

Man könnte diesen Hashtag und seine Geschichte kennen. Andererseits kann einem so etwas schon einmal entgehen, wenn man nicht gerade im Internet bzw. auf Twitter lebt. Vielleicht war es ungeschickt, ihn zu verwenden. Tatsächlich bin ich erst einmal zusammengezuckt, als ich ihn – bezogen auf Heather Heyer – las, eben weil mir seine Geschichte bekannt ist. Aber Heather Heyer starb, als sie an einer Demonstration gegen Rechtsextremismus teilnahm. Sie stellte sich – als weiße Person, die einfach hätte wegschauen können wie so viele andere Weiße – Rassisten entgegen und wurde dabei getötet.

In den Kreisen, aus denen die giftigen Reaktionen auf Christina Hiltbrunners Tweet kamen, ist viel die Rede von allys (Verbündeten). Man diskutiert, wer sich ally nennen darf und was ein guter ally tun muss bzw. darf. War denn Heather Heyer keine ally, und darf sie nicht geehrt werden, weil sie eben jene zu  schützen und zu verteidigen versuchte, an die der Hashtag #sayhername erinnern will? Ich verstehe, dass schwarze Menschen Unbehagen empfinden, wenn dieser Hashtag für eine Weiße benutzt wird, und natürlich haben sie jedes Recht, dies zu kritisieren. Nur ent-ehren die verwendeten Invektiven auch Heather Heyer, und ich glaube nicht, dass sie das verdient hat.

(Wenn Sie mich überzeugen können, dass ich falsch liege: bitte sehr, Kommentare werden, falls nicht allzu widerlich, freigeschaltet.)

Autor: Trippmadam

Kontakt: trippmadam@t-online.de

3 Kommentare zu “Don’t #sayhername

  1. So verläuft die Front dann nicht mehr zwischen Rassisten und Humanisten, sondern zwischen den selbstlegitimierten Opfern und allen übrigen, ob diese übrigen nun Täter sind oder nicht. Fragwürdige Haltung, finde ich.

    Es ist ein Streit um Deutungshoheit und Führungsanspruch in Diskursen — bis zu dem Punkt, wo allen Nicht-Opfern jegliche Teilnahme am Diskurs „verboten“ wird. Ich halte das für ziemlich unglücklich und die Haltung dahinter für Paradox: Einerseits bedeutet sie ein Verharren im (und geradezu ein Pochen auf den) Opferstatus von … wie sagt man am allgemeinsten? marginalisierten Gruppen; auf der anderen Seite soll doch das gesellschaftliche Ziel gerade eine Aufhebung der Marginalisierung sein — oder geht es vielleicht gar nicht darum? Immerhin müßte man dann die Opferrolle aufgeben und damit, ich bin jetzt bewußt provokativ, alle Metaprivilegien, die eine solche Rolle mit sich bringt.

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    • Kennen Sie den Begriff „oppression olympics“?

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      • Bis jetzt noch nicht. Aber ich erinnere mich an einen giftigen Kommentar, den Sie mal in einer Diskussion hätten schreiben wollen — und dann doch nicht geschrieben haben. Darin ging es genau darum. Und Erinnern Sie sich an die Debatte anläßlich einer Lesung mit der Autorin Chimamanda Ngozi Adichie? Der Fall war ganz ähnlich gelagert, scheint mir, da ging es um ähnliches Gerangel. (Quasi territoriales Gerangel, will mir scheinen.)

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