Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

Bissige Hunde

4 Kommentare

„Lass die nicht merken, dass Du Angst vor ihnen hast, sonst tanzen sie Dir auf der Nase herum.“ sage ich, gestählt von den vielen Mobbingattacken meines Berufslebens. Sie muss lachen über die Formulierung, aber sie hat immer noch Tränen in den Augen. Die Kollegin ist älter als ich, arbeitet ebenfalls Vollzeit, und pflegt daneben ihren schwerkranken Lebensgefährten. Sie ist angreifbar, weil die pure Erschöpfung sie Fehler machen und Dinge versäumen lässt.

Und ich erschrecke, weil ich in Gedanken Kolleg_innen und Vorgesetzte mit einer bissigen Meute vergleiche, und mir plötzlich vorstellen kann, wie ganz normale Leute  Nazis werden, sich an Hexenverfolgung und Steinigungen beteiligen.

Die Meute verbeißt sich gern in dem, der gleichzeitig schwach und eine Bedrohung zu sein scheint, möglicherweise, um sich ihrer selbst zu vergewissern. Hierzu auch die Dame von Welt.

 

 

4 Kommentare zu “Bissige Hunde

  1. Man riecht wohl die Schwäche, und manche fallen dann in einen Blutrausch. Meiner Erfahrung nach reicht ein starker Kollege, der sich davor stellt und zeigt, dass er/ sie ab jetzt der Beschützer ist.

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  2. Das hört sich schlimm an. Ich hoffe, die Situation hat sich wieder gebessert?

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  3. Ich kann das nur aus eigenem Erleben bestätigen. Selbst Menschen, die deine Lebensumstände nicht genau kennen, riechen die Veränderung, sehen die Tränen hinter deinem immer noch forschen Blick. Auch wenn du noch keine Fehler machst, erahnen oder vermuten sie, dass du bald nicht mehr so leistungsfähig sein wirst. Der Verteilungskampf wird eröffnet.
    Als eine unserer Töchter lebensbedrohlich an Lupus E. erkrankte, kreisten bald die Geier. Auftraggeber zögerten die Zahlungen hinaus, machten Abzüge geltend, zogen Aufträge zurück. Fragen, ob ich mir wirklich noch Vollzeit zutraue, erreichten mich, und Gerüchte machten die Runde, ich werde sicher bald länger ausfallen – zu Lasten der Kollegen. Der Respekt, der mir zuvor immer zuteil wurde, wandelte sich in Argwohn. Fremde Menschen machten (unterirdische) Angebote für unser Haus, das wir gar nicht verkaufen wollten.

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