Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

Ernst gemeinte Frage

9 Kommentare

Vielleicht handelt es sich um Fake News, aber die Meldung über eine junge Frau, die sekundenlang in Minirock und kurzärmeliger Bluse in einem Video zu sehen ist, sprang mir eben ins Gesicht, kaum dass ich die Maschine angeworfen hatte. In Saudi-Arabien verbietet man den Minirock, bei uns den Burkini oder das Kopftuch, in den USA bekommen Schülerinnen Ärger, weil BH-Träger unter dem Top zu sehen sind und  in Frankreich wegen zu langer Röcke.

Jetzt erzählt mal, Männer, wieso glaubt ihr, uns unsere Kleidung vorschreiben zu dürfen? (Ich werde diese Frage bereuen, fürchte ich.)

Auch die Dame von Welt präsentiert ein Fundstück zum Thema „Assistenz in Bekleidungsfragen.“

Autor: Geschichten und Meer

Kontakt: geschichtenundmeer@t-online.de

9 Kommentare zu “Ernst gemeinte Frage

  1. Laut Guardian wurde die junge Frau in Saudi-Arabien bereits von der Polizei ausfindig gemacht und es wird gegen sie ermittelt.

    The woman told police that she had been accompanied by a male relative – or muharam – at all times during her visit in accordance with Saudi’s male guardianship system. She confirmed she had appeared in the videos, but insisted she did not post the clips herself.

    Saudi Arabia’s religious police, the Committee for the Promotion of Virtue and the Prevention of Vice, said they were also investigating.

    Erfreulicherweise gibt es aber selbst in Saudi-Arabien nicht nur staatliche oder selbsternannte Bekleidungsassistenten, sondern auch andere Stimmen.

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  2. On second thinking: mit Ihrer Frage nur Männer zu adressieren, springt m.M.n. viel zu kurz.

    Frauen werden nicht nur von Männern beschämt und reglementiert, sondern auch und gerade von Frauen.
    Dero Vorbildlichkeit in Ihrem Blog Stutenbissigkeit ist son typisches Modell.

    Mädchen werden hauptsächlich von Frauen erzogen, auch zu dem, was sich „schickt“ und was nicht (mit dem Extrembeispiel FGM – es sind ausschließlich Frauen, die die Genitalien von Mädchen verstümmeln und die Idee weitertragen, erst beschnitten seien sie „richtig“, zivilisiert, gesund, fruchtbar, heiratsfähig -> Mitglied der Gemeinschaft) Frauen erziehen ebenso Jungen zu mitunter egozentrischen Machos und Heldenkriegern, die vermeintlich unverletzlich und geradezu unzerstörbar selbstbewußt sind und die Grenzen ihrer Körper nicht kennen.

    Warum das so ist, warum sich Frauen seit Jahrtausenden das eigene Grab schaufeln und nicht unbedingt zur Solidarität mit anderen Frauen neigen, mag damit zu tun haben, daß sich Frauen seit Jahrtausenden im Patriarchat einzurichten haben. Und es mag auch mit nicht-gönnen-können zu tun haben – warum sollte es der Tochter oder irgendeiner anderen Frau besser gehen als ihr selbst? Frauen wollen und fördern ihre kleine, oft subtil ausgeübte Macht als die „Anderen“, als das vom Mann abweichende Mangelwesen, unterhalb männlicher Machtentfaltung.

    Das alles kann man als sehr erfolgreiche Form von Teile und herrsche! begreifen.

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    • Ich habe mir darüber auch Gedanken gemacht, als ich gestern diesen kurzen Eintrag geschrieben habe. Möglicherweise ist mein Blick davon geprägt, dass ich teilweise unter christlichen Fundis aufgewachsen bin. Dreh- und Angelpunkt ist nicht Gott, wie man annehmen würde, sondern der Mann als Familienoberhaupt mit einer Quasi-Priesterfunktion innerhalb der Familie. Frauen kooperieren (kollaborieren) oder verlassen die Gemeinschaft mehr oder weniger freiwillig. Deshalb sehe ich als Hauptverursacher der Misere immer noch Männer (natürlich mit Frauen als willigen Gehilfinnen)

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      • Kein Dissens (auch die kindliche Fundamentalisten-Erfahrung teile ich).
        Ich habe bloß den Eindruck, daß sich viele Männer ihrer Privilegien gar nicht bewußt sind, sondern ihnen allenfalls deren Verlust auffällt.
        Selbstverständliche, nicht bemerkte Privilegien und Kollaboration der Frauen garantieren den Fortbestand des Patriarchats – das vielen Männern ebenso schadet wie den Frauen. Denken Sie allein an die immense Gewalt unter Männern. Ich vertrete die These, daß Dominierung von und Gewalt gegen Frauen oft Ausläufer der Geweihmessereien unter Männern sind und daß besonders die Verlierer der Hahnenkämpfe sich über Frauen hermachen.

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  3. kopftuch-demo wär ich sofort dabei! Wollen wir nicht wenigstens mal eine selfie- kampagne mit kopftuch machen, bei instagram oder wo auch immer? lg s

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    • Dem stehe ich etwas zwiespältig gegenüber. Ich müsste darüber nachdenken.

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      • Ich war einen Tag lang mal für ein Kostüm mit Hijab unterwegs – als Djinniya auf einer Fantasy-Convention. Ich werde das nicht wieder tun, Stichwort: Cultural Appropriation. Ich hatte jederzeit den Luxus, das Teil abzulegen und mich wieder mehrheitsgesellschaftsfähig zu machen. Somit wältze ich mich quasi in meinen Privilegien.
        Aber: Es war trotzdem sehr erhellend. Obwohl ich ein recht aufwendiges, farbenprächtiges und fotogenes Kostüm trug, wurde ich entweder schief beguckt oder mit Missachtung gestraft, wohingegen eine etwas dünn geratene, aber blonde und bauchfreie „Bezaubernde Jeannie“ sich vor Bilderjäger*innen kaum retten konnte.
        Insofern: Ich glaube, eine solche Kampagne würde, wenn überhaupt, nur etwas taugen, wenn wir mitteleuropäische Kopfbedeckungen für weibliche Wesen der letzten tausend Jahre ausgraben. Von der gefälteten Haube bis zum schwäbischen Hausfrauenkopftuch: An Formenvielfalt herrscht gewiss kein Mangel.

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        • Cultural Appropriation ist ein wichtiger Aspekt, den ich ebenfalls im Hinterkopf hatte. Es geht mir auch weniger um das Kopftuch als solches, sondern eher generell um das Vorschreiben einer bestimmten Bekleidung um der Religion, der Sittlichkeit oder aber des Laizismus willen. Anders ausgedrückt: weder Sittenwächter noch Liberale möchte ich als Richter über meine Rocklänge sehen. Mein Körper, und damit auch das, was meinen Körper bedeckt oder teilweise enthüllt, gehört mir.

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      • ich habs probiert und fand das selfie dermaßen grässlich, dass ichs sofort wieder gelöscht hab. tja…

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