Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

G20 und Zweifel

Ein Kommentar

Gestern war die Kriminalpolizei da, wegen eines Todesfalls im Haus. Zwei junge blonde Beamte, die ganz aus Lächeln und Höflichkeit zu bestehen schienen.

Ich, die ich in Frankfurt aufwuchs, bin solches Benehmen von Polizisten nicht gewöhnt. Ich ging aufs Gymnasium, als die Startbahn West gebaut wurde. Im Hüttendorf bin ich nur einmal gewesen. Meine Eltern hatten mit dem Protest nichts zu tun, wohl aber einige meiner Lehrer_innen. Lehrer_innen, deren Gesinnung Jahre zuvor im Rahmen des Radikalenerlasses überprüft worden war, und die dadurch sichtlich geprägt waren. Damals herrschte in der ganzen Stadt über vier Jahre eine spürbare Anspannung. In jenen Jahren lernten wir-  Schüler_innen, eigentlich Kinder oder zumindest fast noch Kinder – dass man einem Polizisten besser nicht in die Augen schaut, um ihn nicht zu provozieren. Niemand hatte es uns gesagt, wir spürten es einfach und machten entsprechende Erfahrungen. Aus jenen Jahren ist mir ein tiefes Misstrauen gegenüber der Polizei geblieben. (Ich war schon fast dreißig, als ich einen Polizisten zum ersten Mal die Wörter „bitte“ und „danke“ verwenden hörte. Einen einzigen Polizisten. Etwa zur gleichen Zeit sah ich, wie ein riesengroßer Polizist einen zierlichen Inder, dessen Papiere er überprüfen wollte, buchstäblich am Kragen aus einer Gruppe Passanten zerrte, und fragte mich, warum der Polizist denn nicht einfach höflich nach dem Ausweis gefragt hatte.)

Ich lese Berichte über G20, von Protestierenden und von der Gegenseite, sehe kurze, verwackelte und undeutliche Videos. Ich weiß, dass man mit Bildern wie mit Worten lügen kann. Manchmal möchte ich nicht glauben, was ich sehe, manchmal glaube ich es schlicht nicht. Manches erscheint mir mehr als plausibel, und trotzdem möchte ich es nicht glauben. Weiter als ich kann man im Moment fast nicht von Hamburg entfernt sein, sowohl geistig als auch geografisch. Ich war also nicht vor Ort, als es zu anlasslosen, gewalttätigen Übergriffen von Polizisten auf Demonstranten gekommen sein soll. Ich habe es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen. Jedoch bedauere ich zutiefst, dass mir derartige Übergriffe auf Grund der vor so vielen Jahren in meiner Schulzeit gemachten Erfahrungen als durchaus wahrscheinlich erscheinen.

Autor: Geschichten und Meer

Kontakt: geschichtenundmeer@t-online.de

Ein Kommentar zu “G20 und Zweifel

  1. Ich bin erst in den 90er nach Frankfurt gekommen. Da war die Startbahn West lange gebaut. Vorher hatte ich in der Gegend gewohnt. Wann hatte man den mit der Polizei zu tun? Immer wenn man etwas angestellt hatte. Ruhestörung, Schlägereien, Verkehr, etc. Natürlich war das doof wenn die Polizei kam aber wenn die Eltern einen erwischt hatten war es auch doof. Ich empfand die Polizei aber immer als den Umständen entsprechend gerecht und freundlich. Auch später in Frankfurt hatte ich das Gefühl.
    In München kann ich das nicht sagen. Hier wird schnell aus einer Fliege ein Elephant gemacht. 0 Toleranz. Wenn ich Geschichten mit der Münchner Polizei in Frankfurt erzähle, dann habe ich immer die Lacher auf meiner Seite (und genieße es bei Rot über die Straße zu gehen 🙂 ) Aber auch hier muss ich zugeben, dass die Polizei immer im Recht war. Ich hätte mir einen anderen Ton gewünscht aber die Polizei hatte mich nie grundlos angehalten. Mit zunehmendem Alter weiß man das zu schätzen. Ich habe in München noch nie Angst gehabt U oder S-Bahn zu fahren.
    Letztlich bin ich sehr froh, dass es Menschen gibt, die zur Polizei gehen. Ich wollte den Job nicht machen. Man hat immer nur mit Problemen zu tun. Sei es richtige Kriminelle oder sei es der reiche Sack in Grünwald, der seine Frau verprügelt hat. Man sieht immer nur die schlechte Seite der Gesellschaft.
    Aber es gibt bei der Polizei durchaus Leute, die Spaß am Schlagen haben. Zwei Bekannte von früher, die bei jeder Schlägerei in der ersten Reihe standen sind zur Polizei. Die wären ansonsten wahrscheinlich auf der anderen Seite.

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