Geschichten und Meer

(Sie müssen das hier nicht lesen.)

Ich bin die Rómana

„Deine Mutter war gestern schon hier und hat  zwei Hosen für dich gekauft.“ tönt der Händler auf der Verkehrsinsel zwischen den Straßenbahnschienen, die manchmal zu einem Markt umfunktioniert wird. Ich gehe dort hin, weil ich für eine gewisse Zeit in ein früheres Leben zurückkehre und passend gekleidet sein will. Passend gekleidet heißt in diesem Fall: langer gerade geschnittener Rock mit Gummizug oder weite Hose mit ebensolchem. Darüber eine Bluse, die man nicht in den Bund steckt und – unverzichtbar – der rechteckige Schal, den man einfach herunterhängen lässt und der im Notfall weibliche Formen sowie Speckröllchen kaschiert (und der noch viele andere Bedeutungen und Möglichkeiten bietet).

Meine Mutter wohnt ganz woanders, aber es ist sinnlos, das zu erklären. Mehrmals streite ich ab, die Magdalena zu sein, deren Mutter ihr Hosen kauft. Schließlich gebe ich auf und behaupte, die Rómana zu sein, die Cousine der Magdalena. Was zu schrägen Blicken führt, als ich einige Tage später in Begleitung von Kolleginnen auf den Markt gehe, um Obst zu kaufen, und fröhlich mit „Rómana“ angesprochen werde.

Das kommt davon, wenn man eins dieser Gesichter hat, von denen zwölf auf ein Dutzend gehen.

Autor: Trippmadam

Kontakt: trippmadam@t-online.de

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